
Der Bundesverband ist die zentrale verbandspolitische Vertretung der auf die geriatrische Versorgung spezialisierten Einrichtungen und Fachabteilungen in Deutschland. Er bündelt die Interessen der Mitglieder und vertritt diese gegenüber der Öffentlichkeit sowie der Politik. Er ist damit der Ansprechpartner im Bereich der geriatrischen Einrichtungen in Deutschland.
Der Bundesverband Geriatrie wurde 1993 auf Initiative des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung von 19 Mitgliedern zunächst unter dem Namen Bundesarbeitsgemeinschaft der geriatrischen Rehabilitationseinrichtungen e.V. gegründet. 1997 wurde eine Namensänderung in Bundesarbeitsgemeinschaft der Klinisch-Geriatrischen Einrichtungen e.V. beschlossen, um unter anderem der engen Verzahnung zwischen Akutgeriatrie und geriatrischer Rehabilitation Rechnung zu tragen.
Um der immer stärker werdenden Diskrepanz zwischen wachsendem Aufgabenkanon und Wahrnehmung in der Außendarstellung zu begegnen, wurde im Rahmen der Mitgliederversammlung 2008 eine Umbenennung in "Bundesverband Geriatrie" von den Mitgliedern beschlossen.
Geriatrie, oder auch Altersmedizin, befasst sich mit den speziellen Erkrankungen oder Unfallfolgen älterer Menschen. Das Besondere an dieser Patientengruppe ist, dass ältere Menschen zumeist mehrfach krank (multimorbid) sind. Die geriatrischen Kliniken bieten hierauf abgestimmt, multidimensionale geriatrische Abklärung der verschiedenen Krankheiten und ihrer jeweiligen Zusammenhänge, sowie eine darauf aufbauende, altersgerechte medizinische Intervention in Verbindung mit rehabilitativer Behandlung. Der Blick richtet sich somit weniger auf die einzelne Krankheit oder das einzelne Akutereignis, vielmehr stehen innerhalb der Geriatrie die komplexen Zusammenhänge und die Wechselwirkungen der verschiedenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen im Mittelpunkt. Darüber hinaus werden regelhaft eventuell altersbedingte Ursachen für z. B. Stürze usw. abgeklärt und die identifizierten, zugrundeliegenden Ursachen gezielt mit in die Behandlung aufgenommen.
Ziel ist es, die Selbstständigkeit der älteren Menschen zu erhalten bzw. soweit wie möglich wieder herzustellen. Der ganzheitliche Ansatz der in den Mitgliedseinrichtungen verfolgt wird, erstreckt sich dabei auch auf psychische, funktionelle, soziale und ökonomische Belange, die im Zusammenhang mit der gesundheitlichen Situation der Patienten stehen.
Mitglieder des Bundesverbandes können Träger von Einrichtungen sein, die der stationären, teilstationären (z. B. in Tageskliniken) oder ambulanten Behandlung älterer Menschen dienen, um neben der normalen Akutbehandlung durch frühzeitige rehabilitative Maßnahmen insbesondere Pflegebedürftigkeit zu vermeiden oder zu mindern und die fachlich mindestens unter ständiger ärztlicher Verantwortung stehen. Der Arzt muss dabei speziell ausgebildet sein, d. h. er muss Geriater sein.
Heute zählt der Bundesverband 214 Träger als Mitglieder. Diese betreiben 222 Kliniken bzw. Einrichtungen mit rund 15.000 Betten bzw. Behandlungsplätzen. So sind unter anderem viele größere Klinikverbünde und -konzerne mit ihren geriatrischen Einrichtungen Mitglied des Verbandes.
Neben der Interessenwahrnehmung in der Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden von Bund und Ländern, sowie den Kostenträgern und den sonstigen Institutionen auf Bundesebene, insbesondere den Fachgesellschaften und den Bundesverbänden der Krankenkassen sieht der Bundesverband seine besondere Aufgabe in der Förderung der Zusammenarbeit und des Erfahrungsaustausches der Einrichtungen untereinander. Dies erfolgt unter anderem mit dem Ziel der Sicherung und Weiterentwicklung der Versorgungsqualität innerhalb der Geriatrie.
So wurden bereits kurz nach Gründung der Bundesarbeitsgemeinschaft Qualitätskriterienkataloge entwickelt, womit auf dem Gebiet der Geriatrie diesbezügliches Neuland betreten wurde.
Die Qualitätsanforderungen wurden kontinuierlich weiterentwickelt. Die Erfahrungen flossen 2005 in die Entwicklung eines eigenen Qualitätssiegels Geriatrie für den Bereich der Geriatrie ein. Die Geriatrien in Deutschland haben so die Möglichkeit, ihren hohen Qualitätsstandard von einer unabhängigen Zertifizierungsgesellschaft fachspezifisch (durch die Firma EQ-Zert, Ulm) prüfen und zertifizieren zu lassen.
Zur inhaltlichen Absicherung und Unterstützung dieser Qualitätsbestrebungen wurde ein Daten- und Vergleichssystem mit Namen GEMIDAS entwickelt und aufgebaut, an dem sich heute in der weiterentwickelten Form als Gemidas Pro annähernd die Hälfte der im Verband organisierten Einrichtungen beteiligen. Hierdurch erhält der Verband auf einer fest definierten Datenbasis Auskunft über die Struktur der geriatrischen Versorgung in Deutschland. Die Mitgliedseinrichtungen erhalten darüber hinaus die Möglichkeit, ihre Leistungen und Strukturen mit anderen, vergleichbaren Einrichtungen einzuordnen und zu bewerten.
Der Bundesverband Geriatrie ist einer der wenigen Verbände, die die Aufnahme neuer Mitglieder an die Erfüllung klar definierter Strukturqualitätskriterien knüpft. Im Aufnahmeverfahren erfolgt eine rund 20-seitige detaillierte Selbstbewertung der Einrichtung, welche im Rahmen einer Visitation vor Ort überprüft wird. Somit ist bereits die Mitgliedschaft einer geriatrischen Einrichtung ein klarer Beleg für eine qualitätsorientierte Patientenversorgung.
Besonderen Wert legt der Bundesverband Geriatrie auf die Aus-, Weiter- und Fortbildung des Fachpersonals. Vor diesem Hintergrund bietet der Verband eigene Fachtagungen, Schulungsveranstaltungen und die Fortbildung Zercur (Zertifiziertes Curriculum Geriatrie) an. Bereits kurze Zeit nach seiner Einführung hat sich Zercur Geriatrie zu einer Basisfortbildung im Bereich der Geriatrie entwickelt und gilt als Standard für die Vermittlung der im Bereich der Altersmedizin besonderen Aspekte.
Darüber hinaus ist es das Anliegen des Verbandes, für eine fachübergreifende medizinische Versorgung älterer Menschen in der Öffentlichkeit eine entsprechende Sensibilität und zugleich auch den - angesichts der demografischen Entwicklung notwendigen - Stellenwert zu schaffen.
Bei einer Behandlung des älteren multimorbiden Patienten in einer geriatrischen Einrichtung mit unmittelbar nach der Akutbehandlung einsetzenden rehabilitativen Maßnahmen ergibt sich eine große Chance, Pflegebedürftigkeit zu vermeiden und eine Einweisung in ein Heim zu verhindern bzw. hinauszuzögern und damit eine selbstständige und selbstbestimmte Lebensführung zu erhalten bzw. zu fördern - und somit langfristig auch die Möglichkeit wirtschaftliche Mittel im Gesundheitssystem einzusparen. Der einzelne ältere Mensch gewinnt ein großes Stück Lebensqualität, während gesellschaftspolitisch die vorhandenen finanziellen Ressourcen dem im Sozialgesetzbuch normierten Wirtschaftlichkeitsprinzip entsprechend eingesetzt werden können.
Besondere Initiative ergreift der Bundesverband im Hinblick auf die Weiterentwicklung des Entgeltsystems im Krankenhaussektor (Fallpauschalenkatalog/ DRG-System). Die Geriatrie lässt sich mit Ihrem breiten Leistungsspektrum und bei der gängigen Verlegungspraxis im DRG-System (Diagnosis Related Groups) nur sehr schwer leistungsgerecht abbilden. Vor diesem Hintergrund wirkt der Bundesverband als Partner der von der Politik beauftragten offiziellen Stellen intensiv an einer pragmatischen und sinnvollen Weiterentwicklung dieses Finanzierungssystems mit. Dabei werden, z.T. mit wissenschaftlicher Unterstützung, konkrete Ergänzungsvorschläge für die Geriatrie erarbeitet, eigene geriatrische DRGs entwickelt und deren Übernahme in die Praxis angestrebt.
Aktuell steht die Begleitung der Entwicklung und Einführung des QS-Rehaverfahrens im Bereich Rehabilitationseinrichtungen an. Auch hier wird sich der Bundesverband entsprechend in die Diskussion auf Ebene der Spitzenverbände einbringen. Die Sacharbeit wird dabei - neben der Arbeit des Vorstandes und der hauptamtlichen Geschäftsstelle - in verschiedenen Ausschüssen bzw. in zu einzelnen Themen speziell eingesetzten Arbeits- und Projektgruppen geleistet.
Der Bundesverband ist als eingetragener Verein organisiert. Der Sitz des Vereins ist in Berlin. Hier befindet sich auch die Geschäftsstelle des Verbandes.
Finanziell trägt sich der Verein über die Beiträge seiner Mitglieder. Der Bundesverband Geriatrie ist daher auch aus finanzieller Sicht eine unabhängige Organisation.